In der Mitte sein und sich trotzdem verändern

In der Mitte sein und sich trotzdem verändern

Die Wechseljahre gelassen und entspannt erleben

Männer und Frauen haben oft die gleichen Symptome

Beginnt der Körper weniger Hormone zu produzieren, setzen die Wechseljahre ein. Die Symptome können von Schlappheit, Reizbarkeit und Antriebslosigkeit bis zum leichteren Ansetzen des Bauchfetts oder der Abnahme der Muskelspannkraft reichen. Nicht selten kommt es auch zu Hitzewallungen, Schweißausbrüchen und zum Nachlassen der Libido.

Wenn du jetzt an zerzauste, verschwitzte und zeternde Frauen mittleren Alters denkst, dann liest du hier, dass Männer über die gleichen Symptome klagen. Forscher haben herausgefunden, dass jeder zehnte Mann betroffen sein soll. 

Man hört auch im privaten Umfeld von immer mehr Männern, dass ihnen die oben beschriebenen Beschwerden nicht fremd sind und dass es einige Wege und Umwege in Anspruch nehmen kann, bis klar ist, dass es sich tatsächlich um Wechselbeschwerden handelt. Es fängt vielleicht damit an, dass du dir  Gedanken über deine Lebensziele machst oder dein bisheriges Lebenskonzept hinterfragst. Vielleicht fühlst du dich weniger attraktiv und dein Spiegelbild gefällt dir nicht mehr so gut. Du ermüdest vielleicht schneller und wirst gemütlicher. Dann tauchen Fragen auf: Habe ich wirklich alles erreicht, möchte ich nicht doch noch einmal etwas ganz anderes machen, oder ist es jetzt vielleicht einfach an der Zeit, mich mehr um meine Bedürfnisse zu kümmern?

Sind die Wechseljahre des Mannes ein Geheimnis?

Wir wollten der Sache auf den Grund gehen und haben mutige Männer gesucht um sie zu diesem sensiblen und interessanten Thema zu befragen. Leider hat sich nur ein Mann zur Veröffentlichung  seines Interviews bereit erklärt, die anderen befragten Männer der Zielgruppe würden zwar gerne ein Interview geben, möchten aber ihr Foto, den Namen und das Alter nicht veröffentlichen. Und schon gar nicht in einem sozialen Medium. Tja. Anders herum hätten einige Männer in ihren Zwanzigern kein Problem mit einer Veröffentlichung eines Interviews gehabt. Nur leider können sie (noch) nichts über Veränderungen berichten, die sie erst in ca. 25 Jahren machen werden.

Wir dachten, langsam aber sicher hat sich das gängige Klischee der „midlife crisis“ abgenutzt und ermöglicht abseits des Jugendwahns einen neuen, offeneren Blick auf die Veränderungen beim Mann. Dies wird uns wohl noch einige Zeit verborgen bleiben. Da man sich im Lager der Männer noch nicht zu den Veränderungen bekennen möchte, wird das Bild des angegrauten Mannes im schnellen Auto mit der jungen Freundin wohl noch länger in unseren Köpfen gespeichert sein.

Auch Therapeuten kommen in die Wechseljahre

Umso erfreulicher ist es deshalb, dass die Paartherapeutin Frau Dr. Sabine Bösel nicht nur Tipps gibt, wie Paare ihre Beziehung im Wechsel liebevoll und wertschätzend gestalten können. Sie spricht auch offen über ihre eigenen Erfahrungen in den Wechseljahren und verrät, wie sie und ihr Mann diese Zeit erlebt haben.

Für Yoga ist man nie zu alt, jeder kann es lernen

Balance und Gelassenheit, das vermissen Frauen (und Männer) oft in den Wechseljahren. Aus diesem Grund haben wir mit Frau Mag.a Katharina Wogrolly gesprochen. Sie leitet das Yogacollege (www.yogacollege.at) und erklärt uns anschaulich, warum Yoga immer gut ist, aber besonders in den Wechseljahren empfohlen wird - für Frauen und Männer gleichermaßen.

Mit diesem Beitrag bringen wir hoffentlich etwas Licht ins Dunkel und vielleicht haben Sie eine Antwort auf die Frage gefunden, warum Sie sich in letzter Zeit so merkwürdig fühlen.

Holger, 51, beobachtet Veränderungen und nimmt sie an
Holger, 51, beobachtet Veränderungen und nimmt sie an


Holger, 51, ist jener mutige Mann, der offen über die Veränderungen spricht, die ihm schon seit einiger Zeit auffallen. Wechseljahre aus der Sicht eines Mannes - wie macht es sich bemerkbar und was macht man(n) dann?

Lebensmitte - was bedeutet das für dich? 

Für mich bedeutet „Lebensmitte“ meine Mitte in jedem Moment. Mit der Einteilung, dass man ab 50 in der Lebensmitte sein soll, kann ich nichts anfangen. Das Leben ist für mich ein Fließen, Wechsel, Veränderung und im Idealfall bin ich immer in meiner Mitte, im Hier und Jetzt und spüre eine angenehme Ausgeglichenheit. 

Frauen kämpfen mit Hormonen, was macht den Männern zu schaffen? 

Nachdem sich auch bei uns die Hormonproduktion verlangsamt, kann das schon spürbar sein aber nicht mit dem Klimakterium der Frau verglichen werden. Die Veränderungen bei uns Männern sind eher schleichend und nicht so vielfältig wie bei den Frauen. Hitzewallungen, Schweißausbrüche und das Aufhören der Regel sind schon einschneidende Veränderungen und all das erleben wir Männer nicht mit einer derartigen Heftigkeit. Da machen Frauen wesentlich mehr mit. 

Eine Frau kann nach den Wechseljahren keine Kinder mehr bekommen, ein Mann jedoch immer Kinder zeugen. Ich denke, dass das für viele Frauen nicht einfach ist. Oft werden sie von der Gesellschaft und insbesondere von Männern für ihre Beschwerden auch noch belächelt, nicht ernst genommen. Das ist  bestimmt für viele Frauen schwer zu ertragen. Ich glaube aber auch, dass es verständnisvolle Männer gibt, die mit ihren Frauen in dieser sensiblen Phase liebevoll umgehen. 

Welche Veränderungen bemerkst du bei dir? 

Ich merke, dass ich etwas schneller ermüde oder sich meine Gelenke etwas versteift haben. Das wird bei den meisten Männern in meinem Alter nicht viel anders sein. Irgendwann beginnen sich eben die Alterserscheinungen bemerkbar zu machen. Die Hüfte zwickt oder das Kreuz tut weh, so fängt es oft an. Die Sexualität verändert sich, was neue und aufregende Erfahrungen bringen kann, sofern man offen darüber spricht und seinen Partner oder seine Partnerin einbezieht. 

Wie gehst du mit diesen Veränderungen um und wie wirken sie sich auf deine Beziehung aus? 

Ich sehe das eher gelassen, ich bin keine 30 mehr und es ist klar, dass ich nach einem intensiven Tag in der Arbeit nicht auch noch mit Freunden zum Essen ausgehe, wenn ich am nächsten Morgen wieder früh aufstehen muss. Ich will meine Zeit genießen und teile mir meine Kraft deswegen ein. Sicherlich war ich mit 25 aktiver. Mein Partner ist verständnisvoll und geht auf meine Bedürfnisse ein. Er akzeptiert meine Bedürfnisse, er wird ja auch älter und erlebt ähnliche Veränderungen. 

Mit wem sprichst du sonst noch darüber? 

Mit meinem Partner oder auch meiner Familie und Freunden. Die werden selbst älter und sind alleine schon deswegen verständnisvoll. Humor ist auch wichtig und wenn man gemeinsam über die auftretenden Wehwehchen lacht, ist es nicht mehr so tragisch. 

Wie ist das Gefühl zu wissen, dass andere Männer auch diese Veränderungen durchmachen? 

Für mich ist das, wie gesagt, keine große Überraschung. Aber ich glaube schon, dass es Männer gibt, für die es nicht so einfach ist. Wenn man plötzlich an der Bar steht und bemerkt, dass man nicht mehr der Hahn im Korb ist. Da gibt es bestimmt auch Männer, die sich dann für schnelle Autos und junge Frauen interessieren, um dieses Gefühl der Jugend noch einmal zu erleben, oder festzuhalten. 

Was rätst du deinen „Leidensgenossen“? 

In sich hinein hören, sich überlegen, welche Bedürfnisse habe ich. Einen achtsamen und liebevollen Umgang mit sich selbst, gesunde Ernährung und wirklich ausreichend Bewegung. Manchmal spüre ich, dass meine Gelenke steif sind, dann gehe ich Radfahren, Wandern oder mache einen ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt. Wer es ruhiger angehen möchte, kann es mit Qi Gong, oder Yoga versuchen. Bei solchen Aktivitäten kann ich mich geistig und körperlich am besten entspannen. Und einfach annehmen, dass man älter wird. Das ist der Lauf der Dinge.

Danke für das Interview!

 

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