Kann man die Wechseljahre mit Pandoras Box vergleichen?

Kann man die Wechseljahre mit Pandoras Box vergleichen?

Janina Lebiszczak macht sich über die Wechseljahre Gedanken

Janina, du bist zwar noch nicht im Wechsel aber er steht quasi in ein paar Jahren an - wie geht es dir mit der Vorstellung?

Ich habe damit kein Problem. Ich habe zeitlebens unter einem ziemlichen Hormon-Chaos gelitten und weiß gar nicht, ob ich ihn so stark merken werde. Ich bin es auch gewöhnt mal aufzugehen wie eine Kaisersemmel oder an Stimmungsschwankungen zu leiden. Geht aber mittlerweile alles besser. Kinderwunsch war bei mir nie so das Thema und das Ausbleiben meiner Periode erscheint mir wie ein Segen. Allerdings, als Trägerin der Hormonspirale ist dieser Segen bereits eingekehrt. Fazit: Mir ist es egal, ob ich mich vor oder nach dem Wechsel befinde, Hauptsache gut drauf und ja: Fesch auch.

Wie nimmst den Umgang mit der Frau im Wechsel in unserer Gesellschaft war?

Er beginnt offener zu werden dank einigen Tabu-Brecherinnen, dank der offenen Kommunikation darüber. Natürlich hört man noch jede Menge blöde Witze. Mich hat mal auf Facebook einer blöd angemacht, mit bei mir „Sei es ja bald so weit“. Ich dachte mir nur „Und wo ist jetzt die Beleidigung?“ Du kommst auf die Welt und dann stirbst du eines Tages. Dazwischen hast du als Frau sehr lange Zeit deine Tage und dann nimmer. Wow. Echt arg.

Warum ist die Thematik deiner Meinung nach noch immer ein Tabu bzw. ist es überhaupt eines?

Die Demontage der Tabus schreitet voran. Der Menstruation ging es zuerst an den Kragen. Obwohl die Hälfte der Weltbevölkerung alle vier Wochen blutet, wurde diese Tatsache weitgehend negiert. In der Werbung ist das Blut in der Binde so blau wie das Meer von Ibiza. Freundinnen reichen einander Tampons unter dem Tisch, als würden sie mit Drogen dealen. Und Männer winden sich in Krämpfen, wenn sie nur das Wort hören: Igitt! Hey, face it: Da kann man nicht nur was rein tun, da kommt auch etwas raus. So funktionieren Körper nämlich. Sie sind nicht antiseptisch und wir sind keine Barbiepuppen aus Hartplastik. Und jetzt enttabuisieren wir den Wechsel. Eines Tages werden Frauen vielleicht tatsächlich frei sein, von allem was sie klein hält.

Du bist eine bekannte Journalistin und schreibst für viele Frauen-Magazine - wie wird das Thema medial aufgegriffen? 

Immer offener, immer mehr. Das gefällt mir sehr.

Eine unserer „Klimawechselbotschafterinnen“<wbr /> meint: Keiner will von alternden Frauen lesen, die über Probleme reden! Was sagst du dazu?

Das Alter macht allen Angst, denn ihm folgt der Tod. Dieser ist ein Teil unseres Lebens. Und dieses gilt es in Würde und in Freiheit zu verbringen. Wenn das jemanden nicht interessiert, kann er sich sicher irgendwie vom Grauen der Biologie ablenken.

Wie geht deine Generation mit dem bevorstehendem Thema um? Kannst du da schon Ängste etc. registrieren?

Meine Generation ist absolut cool. Und hart im Nehmen. Ängste werden angesprochen und sind danach keine mehr.

Wie kann es uns gelingen mehr Leichtigkeit und Lust und weniger Schwere und Frust zu dem Thema zu vermitteln?

Soweit sind wir noch nicht, erstmal muss überhaupt darüber geredet werden. Aber vielleicht hilft ein hedonistischer Standpunkt. Warum sich das Leben schwer machen? Red ma drüber – es gibt für fast alles eine Lösung! In der Natur, in der Medizin, bei Freunde, bei sich selbst.

Wir leben in einer Gesellschaft der ständigen Selbstoptimierung - darf man hier überhaupt über Wechselbeschwerden reden?

Muss man, sonst verändert sich die Gesellschaft nämlich nicht und bleibt seicht und uninteressant.

Sexualität - du hast jahrelang eine Kolumne im Wiener geschrieben und bist sehr offen mit deiner Sexualität umgegangen - wie offen darf man als Frau beim Thema Sexualität sein?

Nicht sehr. Die verlogene Diskussion rechter „Frauenschützer“ beweist das immer wieder aufs Neue. Frauen, die gerne Sex haben und darüber reden, sind nicht jene die man gerne heiratet. Oversexed and underfucked – das beschreibt den Status quo ganz gut.

Thema Sexualität und Lust bzw. Lustlosigkeit ist auch für viele Frauen im Wechsel ein Thema - wie kann man hier einen gesellschaftlichen Dialog anstoßen?

Vielleicht sollten wir uns fragen: Muss man immer Lust haben? Für immer? Gibt es vielleicht Frauen, denen Sex nicht so wichtig ist? Machen sie es vielleicht dem Mann zu liebe? Und wenn nicht: Dagegen ist jede Menge Kraut gewachsen.

Was ist deine persönliche Message für Frauen im Wechsel?

Lasst euch keinen Blödsinn einreden und genießt nach den neuen Abschnitt in eurem Leben, ihr seid weise, ihr seid schön. Gegen die unliebsamen Nebenerscheinungen gibt es mittlerweile gute Mittelchen.

Hast du noch einen Wohlfühl-Tipp für uns, z. B. ein Restaurant, wo Frau unbedingt hin muss?

Das MiaVia in Wien 1030 ist ein Dayspa mit Focus auf Naturkosmetik und Nachhaltigkeit und gut essen kann man dort auch noch.

Janina Lebiszczak ist freie Journalistin, Autorin und Kolumnistin. Sie schreibt für "Maxima" und "Seitenblicke Magazin". Als "Pandora" schrieb sie in "News" über Sex. Ihre Kolumnen sind in zwei Büchern erschienen.

Mehr über Janina gibt es hier:
https://www.facebook.com/janina.lebiszczak

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Bildquelle:
Janina Lebiszczak

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