Selbstbewusst durch die Wechseljahre mit Sport

Selbstbewusst durch die Wechseljahre mit Sport

Béatrice Drach-Schauer engagiert sich für ein fitteres Leben im Wechsel

Beatrice - wie erlebst du den Umgang mit den Wechseljahren?

Ich werde Ende Mai 47 Jahre alt – und ja, ich spüre bereits erste Anzeichen der Wechseljahre wie unregelmäßige Blutungen.

Als Gesundheitstrainerin werde ich natürlich sehr oft mit dem Thema Wechseljahre beruflich konfrontiert. Viele Damen kontaktieren mich, weil sie wieder mehr für sich tun wollen, oder aber mit ihrem Körper unzufrieden sind. 

Sind die Wechseljahre ein Tabuthema?

Ich denke ja - leider noch immer. Gerade wenn Frauen Anfang 40 bereits in der Menopause sind, dann möchten sie gar nicht darüber reden und dies lieber totschweigen. Mit der Ärztin, aber auch mit mir als Trainerin, wird hier allerdings sehr offen gesprochen. Gerade Themen wie zum Beispiel eine Beckenbodenschwäche, werden sehr oft tabuisiert. Die Menopause hat noch immer den Nimbus des „alt seins“. Wenn Frauen sich nicht mehr reproduzieren können, dann werden sie oft als „alt“ abgestempelt. Die Wechseljahre werden mit Falten, Gewichtszunahme und mit Stimmungsschwankungen assoziiert. Ich versuche hier mit meinen Trainings und Beratungen entgegenzuwirken, um den Frauen wieder mehr Freude, Selbstsicherheit und Kraft zu geben.

Wie gehst du damit um bzw. wie hast du vor damit umzugehen?

Als ich bemerkt habe, dass mein Östrogen absinkt, hat dies schon etwas mit mir gemacht. Auf einmal fühlst Du dich nicht mehr so jung und unverwundbar - die Gedanken über die Endlichkeit des Lebens waren da. Ich bin aber ein sehr fröhlicher und optimistischer Mensch mit sehr viel Energie, und habe auch vor, mein Leben weiterhin in vollen Zügen zu genießen. Um mir selbst auch noch mehr Ruhe zu gönnen und um diese optimal an meine Kundinnen weitergeben zu können, gönne ich mir es, eine Yoga-Ausbildung zu machen. 

Sport in den Wechseljahren - wie geht man es am besten an?

Die Wechseljahre fallen sehr oft mit der Zeitspanne zusammen, in der die Kinder flügge werden und das Haus verlassen. Sport kann hier sehr gut helfen, um das „empty nest“ Syndrom zu überwinden. Auf einmal hat Frau wieder mehr Zeit für sich. Gerade in den Wechseljahren empfehle ich den Ausdauersport auf der einen Seite (Läuferinnen berichten zum Beispiel deutlich weniger über Hitzewallungen) und Kraftsport auf der anderen Seite. Unsere Knochen brauchen die Zug- und Druckbewegung, um stark zu bleiben. Mit Krafttraining können wir der gefürchteten Osteoporose entgegenwirken.

Chi Gong, Yoga, Pilates oder einfache Atemübungen sind wunderbar geeignet, um unruhige Gedanken los zu werden. Der Fokus auf unsere Atmung lässt uns ruhiger werden und beugt oft auch Schlafstörungen vor.

Yoga und Pilates sind außerdem wunderbar, um unsere Wirbelsäule geschmeidig zu halten und um Rückenschmerzen vorzubeugen.

Du trainierst viele Frauen, die im Wechsel sind - was sind ihre Haupt-Figurprobleme?

Die meisten Frauen klagen über ein kleines Bäuchlein, über schlaffere Arme und oft auch über weniger Ausdauer. Die Figur verändert sich, und vor allem die Taille verabschiedet sich oft ein bisschen.

Wie sieht ein idealer Trainingsplan für die Frau im Wechsel aus?

Eine Mischung aus Ausdauertraining (um das Herz-Kreislaufsystem zu stärken) und Krafttraining. Gerne auch mit dem eigenen Körpergewicht, um Osteoporose vorzubeugen, sowie Yoga und/oder Pilates für mehr Mobilität, Beweglichkeit und Entspannung sind ideal.

Es geht hier nicht um Marathonlaufen oder darum, schwere Gewichte zu heben, sondern vielmehr darum, regelmäßig in Bewegung zu kommen und auf den richtigen Mix zu achten. 

Sport soll einfach Spaß machen
Sport soll einfach Spaß machen

 

Wie kann man gegen den inneren Schweinehund ankommen?

Ich empfehle immer, mit kleinen Häppchen zu arbeiten. Jeden Tag eine kleine Übung, sodass Bewegung zur Gewohnheit wird wie Zähneputzen. Stecke dir ein Ziel - visualisiere es und erzähle jedem darüber. Suche dir kleine Zwischenziele aus, die du gut erreichen kannst. Und suche Dir einen Buddy fürs Training. Sport soll einfach Spaß machen.

Wie sieht es mit der Ernährung aus - wie machst du das?

Natürlich merke ich auch, dass ich nicht mehr alles (vor allem Süßes) einfach so in mich reinschaufeln kann, ohne zuzunehmen. Prinzipiell habe ich Glück, und verbrenne sicher auch durch den Sport sehr viel. Ich habe meine Ernährung nicht wesentlich umgestellt - ich habe mich eigentlich immer schon recht ausgewogen ernährt. Ich esse sehr gerne Gemüse und bin von Natur aus keine Nudel-Esserin. Wenn ich Nudeln oder Reis esse, dann esse ich nur Vollkorn Produkte. 

Du bist auch bei der Brustkrebs-Vorsorge sehr aktiv - was machst du hier genau?

Mein Studienschwerpunkt war Gesundheitsförderung und Prävention. Ich halte vermehrt Vorträge zum Thema Fitness, Wohlbefinden sowie den Möglichkeiten der Gesundheitsvorsorge. Hier ist es mir immer ein sehr großes Anliegen, auf die Krebs-Vorsorgeuntersuchung hinzuweisen. Weiters möchte ich den Damen nahebringen, dass körperliche Aktivität eine mögliche Tumorprävention für Brustkrebs darstellt. Vor allem Frauen nach der Menopause profitieren von körperlichem Training.

Für die Wiener Krebshilfe arbeite ich ehrenamtlich und berate einmal im Monat Patientinnen und Patienten, wie sie sich während oder nach einer Krebsbehandlung körperlich betätigen können. 

Was ist deine Botschaft an die Frau im Wechsel?

Mein Lebensmotto lautet „Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag“ und genau das versuche ich nahe zu bringen. Versuche das Glas halbvoll zu sehen, denke nicht zu viel über deine Wechseljahre nach. Sie sind eine Phase unseres Lebens und wir sollten jeden Tag im Leben genießen. Lass das junge Mädchen immer wieder in dir raus - sei frech, wild und wunderbar.

Gib uns doch noch ein paar persönliche Einblicke

 - Deine Tipps für eine erfüllte Partnerschaft: Sei wie du bist, verstelle Dich nicht, und versuche weder an Dir noch an deinem Partner ständig etwas ändern zu wollen. Und was das Aussehen betrifft: Männern fallen alle die Dinge, die uns an uns stören (dickere Oberschenkel, Cellulite) gar nicht auf.

 - Dort entspanne ich mich: Ich liebe es am Meer zu sitzen - zuerst ein schöner Lauf und dann mit einem Buch am Strand liegen - das liebe ich - so kann Entspannung sein

 - Dieses Buch hat mich inspiriert: "Madame kommt heut erst später", von der Österreicherin Susanne Kubelka. Ich habe sie schon in meinen 30-ern geliebt, sie auch persönlich kennengelernt. Sie vermittelt einen ganz entspannten Zugang zum Älter werden - Frauen verlieren im Alter nicht ihre Sexualität, sie werden nur entspannter und wissen was sie wollen.

 - Diese Fitness-Übung ist die Allerbeste: Die seitliche Planke - verleiht Dir nämlich eine feine Taille und Du spürst die seitlichen Bauchmuskeln. Das tolle daran: erste Erfolge und Effekte stellen sich schon sehr schnell ein.

  - Für mehr Selbstbewusstsein in den Wechseljahren empfehle ich: Regelmäßig Sport zu machen - du fühlst dich frei, stark, selbstsicher und spürst, dass Du Deinem Körper noch vertrauen kannst.
 

Mag. Béatrice Drach-Schauer, MPh
Sportwissenschaftliche Beratung
Florianigasse 36/18
1080 Wien
M: 0676 318 5126
W: http://www.beatrice-drach.com/

Fotos: Sandra Schmid Fotografie

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