Brainsisters: Die Symptomsprache des Körpers

Brainsisters: Die Symptomsprache des Körpers

Sylvia Fischer über die Systemsprache des Körpers.

Nur wenige Frauen sprechen die Symptomsprache des eigenen Körpers fließend. Dabei ist es so wichtig, die Hintergründe und Signale zu erkennen, um Krankheiten vorzubeugen und seelische Konflikte heilen zu können. Wichtig ist es, die Sprache zu erlernen und mit den Symptomen in Dialog zu treten. Im Interview hat uns Sylvia Fischer erklärt, wie wir das schaffen und vor allem in den Wechseljahren zurück zur Wahrnehmung unserer Körper finden.  

Warum nehmen wir den Körper meistens erst wahr, wenn er bereits an seine Grenzen gelangt ist? 

Wir haben Mathematik gelernt, wir haben Schreiben gelernt, wir haben ganz viel in der Schule gelernt. Wer hat uns gelehrt, unseren Körper wahrzunehmen? Wer hat uns gelehrt, zu fühlen? Wer hat uns gelehrt, mit unseren Gefühlen umzugehen? Wir haben es nie gelernt. Wenn wir Schmerzen haben, dann gehen wir zum Arzt. Das kann helfen, muss es aber auch nicht. Wir haben aber keine körperorientierte Kultur – das hat uns nie jemand gelehrt. Die Schule trainiert unseren Verstand, die Wirtschaft trainiert unseren Verstand. Niemand trainiert unsere Intuition.

Lassen sich Körper und Geist miteinander verbinden? Falls ja, wie?

Sie sind verbunden. Es gibt ein Zitat von Joachim Bauer: „Alles, was wir geistig tun und seelisch fühlen, findet seinen Niederschlag in körperlichen Strukturen.“

Das heißt, wenn du denkst oder fühlst, passieren elektrochemische Impulse im Gehirn und es wird eine bestimmte Biochemie in Gang gebracht. Je nachdem, ob das ein positives Fühlen und Denken oder ein stressbesetztes Fühlen und Denken ist, wird ein anderer biochemischer Botenstoffcocktail ausgeliefert. Der eine macht uns krank, der andere hält uns gesund. Adrenalin und Cortisol machen uns auf Dauer krank, wenn sie in uns bleiben. Jedes Gefühl wirkt unmittelbar auf den Körper. 

Können körperliche Wehwehchen auch ein Hinweis auf seelische Probleme sein? 

Gesundheit bedeutet, körperliches, geistiges und seelisches Wohlbefinden. Wenn es dir psychisch nicht gut geht, kann sich das auch körperlich manifestieren. Der Körper reagiert. Prinzipiell ist der Körper großartig, weil er ein starkes Regenerationssystem hat und er lange kompensieren kann. Wir können also lange in stressigen Situationen sein. Es verspannt sich alles, Cortisol und andere Stresshormone werden ausgestoßen – die in der Medizin Schmerzlinderung sind. Das heißt, wir spüren die Beschwerden noch weniger. Irgendwann jedoch geht es nicht mehr, meistens, wenn wir zur Ruhe kommen. Dann fängt der Körper mit seinen Reaktionen an. 

Ich vergleiche das mit einer Triade. Geistige, mentale, psychische, seelische Dinge haben Auswirkungen auf unseren Körper. Wir wissen, dass wir uns gesund ernähren und uns bewegen sollen. Dass wir aber auch unsere Gedanken beachten sollten – so weit sind wir leider noch nicht. Letztendlich ist es aber wie beim Computer: Der Körper ist unsere Hardware, der Geist ist die Software und unsere Lebensenergie ist der Strom. Ohne diesen drei Dingen funktioniert nichts. 

Denken Sie, dass in der Gesellschaft noch immer ein Stigma herrscht?

Vor 15 Jahren war das noch so. Heute sehe ich das nicht mehr so extrem. Mittlerweile sind viele betroffen von Burnout oder Depression. Da weiß man, dass das auch Krankheiten sind, die sich halt nicht an Äußerlichkeiten oder Blutwerten festmachen lassen. Heute weiß man auch schon, dass Stress krank macht. Das Stigma steckt wohl in manchen noch drinnen, aber es kommt schon viel mehr ins Bewusstsein der Menschen, dass mentales Wohlbefinden wichtig ist. 

Was ist der sogenannte Muskeltest?

Das ist ein Körperfeedbacksystem. Es ist so, dass wenn wir uns bewegen, es immer kontrahierte und zusammengezogene und entspannte Muskeln gibt. Jede negative Information wirkt auf die kontrahierten Muskeln, diese verlieren an Kraft. Es fährt die Energie raus, sie verlieren an Spannung und können dadurch einem leichten Druck nicht mehr standhalten. Dieses „Verlieren der elektrischen Spannung“ wird als Muskeltest bezeichnet. Damit wird in der Kinesiologie gearbeitet, um zu sehen, wo Stress ist und wo nicht. 

Können körperliche Probleme durch Kinesiologie auch vorgebeugt werden?

Es wird die Selbstheilungskraft angekurbelt, die wir alle in uns tragen. Es wäre präventiv gut, vorbeugend etwas zu machen. In der Realität schaut es leider anders aus. 

Was können Sie empfehlen, um den eigenen Körper besser und intensiver wahrzunehmen? 

Jegliche Form der Bewegung ist gut. Jegliche Form der Berührung ist gut. Die Aufmerksamkeit dem Körper zuwenden. Zum Beispiel der Bodyscan. Das muss man aber üben. Achtsamkeitstraining, Körperentspannung – das hilft. Wiederzuerkennen, wie sich mein Körper anfühlt. Das geht ganz einfach: Beim Eincremen, beim Schminken – die eigene Schönheit zelebrieren. Natürlich braucht das Übung, wir haben das über die Jahre vergessen. Aber es reicht schon, wenn wir unseren Körpern 5 bis 10 Minuten schenken. 

Bauchschmerzen oder kalte Füße: Manchmal will uns unser Körper mittels Symptome verzweifelt etwas mitteilen, um uns zu schützen und vorzuwarnen. Wir sollten lernen, dieser Sprache zu folgen, damit ein innerer Frieden bei uns einkehren kann. 

Sylvia Fischer
T: 0699 / 122 92 119
E-Mail: fischer@brainsisters.at
https://www.brainsisters.at/

 

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Foto: Sylvia Fischer