Entfaltung der weiblichen Lust - im Gespräch mit Sexual-Coach Sabine Sonnenschein

Entfaltung der weiblichen Lust - im Gespräch mit Sexual-Coach Sabine Sonnenschein

Liebe Frau Sonnenschein, was bedeutet denn für Sie persönlich Weiblichkeit?

Gut geerdet zu sein, sensibel wahrnehmen zu können, über emotionale Intelligenz zu verfügen, sich dem Moment und dem Empfinden ganz hingeben zu können, im Fluss sein zu können, empfangen als auch beschenken zu können. Aber auch ganzheitlich zu denken und Verbindungen, Zusammenhänge zu erkennen, kreativ zu sein, gut mit der eigenen Intuition verbunden zu sein. Ich habe die Definition meiner persönlichen Weiblichkeit für mich selbst gefunden, sie hat sich verändert im Laufe der Jahre und darf sich gerne auch weiterhin verändern. Ich war früher sehr im Widerstand zu stereotypen Frauenbildern, die uns unsere Gesellschaft präsentiert und habe dann erkannt, dass ich in verschiedene Frauenrollen oder auch Archetypen schlüpfen kann, wenn es mir gefällt, und spielerisch umgehen kann damit. 
Meine Weiblichkeit hat viel mit der starken Verbindung zu meinem Körper und mit dem Vertrauen auf meinen Körper zu tun. Mein Körper weiß sehr genau, was ihm guttut und was nicht.

Sie wollen mit Ihrer Arbeit Menschen dabei unterstützen, sich selbst bewusst wahrzunehmen, zu spüren und ein gesundes, beglückendes (Sexual-)Leben führen zu können. 

Was genau macht hier Ihre Arbeit aus?

Nichts ist wichtiger für eine beglückende und erfüllende Sexualität als dem eigenen Körper vertrauen zu können. Ich unterstütze Frauen dabei über den Atem, Bewegung und Berührung sich selbst mehr zu spüren, sensibler zu werden. Sehr wichtig ist der liebevolle, freudvolle Kontakt zum eigenen Körper. Als Frauen haben wir in der Sexualität so viele Möglichkeiten Lust zu erfahren. Es kann eine Entdeckungsreise, ein liebevoll neugieriges Erproben von Neuem über die Jahre hinweg sein. Das Entscheidende in der Sexualität ist die Präsenz im Moment, im Spüren. Es braucht fixe, sich wiederholenden Abläufe im Sexuellen nur um Sicherheit zu schaffen oder etwas Bestimmtes zu trainieren oder zu vertiefen.
Bist du ganz mit dir verbunden im Spüren, agieren dein Körper und du aus dem Moment heraus.
Ich zeige Frauen sehr gerne ihre Möglichkeiten der Lust auf, um sie einzuladen zu experimentieren in der Selbstliebe aber auch mit einem/r PartnerIn:
Es ist wert, sich mit dem Lustempfinden der Gebärmutter sowie energetischer Reinigung der Gebärmutter auseinandersetzen. 
Die Berührung des Muttermundes als lustvoll zu erfahren und einen Gebärmutter Orgasmus zu haben ist großartig und sehr tiefgehend. Einfühlsame, sensibilisierende Berührung des Muttermundes ist ein Weg dorthin. Orgasmus kann auch über den A-Punkt (Stelle in der Vagina, oben = Richtung Bauch, weit innen), den G-Punkt (Stelle in der Vagina, oben= Richtung Bauch, im ersten äußeren Drittel der Vagina), die Brüste, die Schilddrüse Im Hals, den Anus oder natürlich, wie den meisten ja gut bekannt, über die Klitoris erfahren werden. Aber tatsächlich ist an jeder Stelle des Körpers durch entsprechende Sensibilisierung eine orgasmatische Erfahrung möglich und gibt es auch energetische Ganzkörperorgasmen.

Sabine Sonnenschein gibt seit 2006 Tantra-Unterricht, tantrische Körperarbeit und Schoßraumdialoge. Seit 2015 gibt sie Sexualcoachings als klinische Sexologin.

Glauben Sie, wir haben den Zugang zu unserer Sexualität vielleicht etwas verlernt/verloren?

Es gibt diesen reinen völlig unschuldigen Zugang zur Sexualität, den wir als Kinder haben. Diesen verlieren wir leider oft hier schon oder später teilweise oder ganz durch Verbote, Moralvorstellungen, mit denen wir konfrontiert werden, negative Erfahrungen. Auch gibt es gesellschaftlich tiefe Verletzungen insbesondere des Weiblichen über viele Jahrhunderte hinweg, die auch in unserem Gewebe als kollektive Traumata gespeichert sind.
Dieser Zugang zu unserer Sexualität, frei von Schuld, Scham und Angst, kann aber (wieder) gefunden werden. Das zu unterstützen ist mir ein extrem wichtiges Anliegen. Es ist manchmal ein langer Prozess der Heilung. 

Sexuelles Lustempfinden ist Energie, wird durch Durchblutung, Hormone und den Atem gefordert und intensiviert. Dahinter steht reine Lebenskraft. 
Statt dem Körper und dem Empfinden ganz zu vertrauen, sind oft Vorstellungen, wie was in der Sexualität zu sein habe, im Vordergrund. Diese Vorstellungen sind durch unsere Gesellschaft und ihre Geschichte, aber auch unsere persönliche Geschichte, unsere Erfahrungen geprägt. Ganz wichtig ist hier die Sexualpädgogik! Wenn Jugendliche nicht pornografische Filme als Quelle für Sexualunterricht nutzen würden, sondern in der Sexualpädagogik das Vertrauen auf das eigene Spüren, den eigenen Körper und das Setzen von Grenzen vermittelt bekämen, ständen wir wo anders. Jede Form von sexueller Handlung braucht ein wirkliches bewusstes „Ja“ dazu aller Beteiligten als Basis, sie braucht Consent. Tantra Unterricht für Jugendliche fände ich sehr sinnvoll. Viele junge Frauen steigen in Sex so ein, dass sie bemüht sind darum, toll auszusehen und alles „richtig“ zu machen, wovon sie glauben, dass es nötig sei im Sex. Wenn du im Sex sehr wenig in deiner Vagina spüren kannst, macht es wenig Sinn, dies vorzugeben. Es ginge darum zu üben, in Verbindung mit deinem Körper zu sein und diesen zu sensibilisieren. Das Leistungsdenken macht Sex oberflächlich, performativ und wenig erfüllend.

Sie sprechen auch vom „sexuellen System“. Wie kann man sich das genau vorstellen? Bzw. wie kann man herausfinden, welche Glaubenssätze oder Einstellungen man in sich trägt?

Das sexuelle System eines Menschen besteht aus körperlichen Gewohnheiten, die sich eingeschrieben haben in den Körper, z.B. ob du deinen Körper oder dein Becken zur Luststeigerung anspannst oder ob du dich viel bewegst und den Atem vertiefst  oder ob Reibung an sexuellen Organen für dich wichtig ist. Zu diesem System gehören deine erotischen Fähigkeiten. Es gründet auf der persönlichen Geschichte der Sexualisierung (von der Kindheit angefangen), allen gemachten sexuellen Erfahrungen, Glaubenssätzen, Einstellungen. Wichtig ist auch, wie sehr du dich deinem Geschlecht zugehörig fühlt oder nicht, welche Möglichkeiten in Kontakt zu gehen, zu flirten oder zu verführen du entwickelt hast. Wie ist um dein Begehren, deine Lust bestellt, wer/was zieht dich sexuell an? Bist du im Sexuellen selbstsicher? Wie sehen deine sexuellen Fantasien aus?
Kannst du Liebe empfinden? Wie gut kannst du mit deiner/m PartnerIn kommunzieren? Bist du bindungsfähig? 

Durch Betrachtung all dieser Faktoren, geht es darum, dein eigenes sexuelles System zu verstehen und herauszufinden, was in diesem System dich daran hindert, das in der Sexualität zu erleben, was du erleben möchtest. Oft ist es sinnvoll, an mehreren Stellen zugleich anzusetzen: Z.B. mit dem Körper anders im Sex umzugehen, Spannung, Atem, Bewegung und Stimme anders zu nutzen, aber auch am sexuellen Selbstbewusstsein, der Selbstliebe zu arbeiten und das zu heilen, was verletzt wurde in dir. Oder tiefsitzende Scham, Angst oder Schuld wirklich zu betrachten und Schritt für Schritt Veränderung und Heilung möglich zu machen.

Inwiefern spielt auch Spiritualität eine Rolle in unserer Sexualität?

In der Sexualität eröffnet sich eine ganz andere Dimension, wenn sie mit spiritueller Erfahrung verbunden ist. Durch Sexualität können wir besondere Intensität, Einsseins, Auflösung erfahren, kann sich unser Ego auflösen und können wir unsere Göttlichkeit erfahren. 

Sexuelle Vereinigung als eine heilige Praxis der Liebe zu verstehen und zu leben eröffnet einen ganz anderen möglichen Erfahrungsraum, hat eine ganz andere Bedeutung und andere Auswirkung als sexuelle Vereinigung z.B. nur zur Entspannung, zum Orgasmus Haben oder auch zum Aggressionsabbau zu nutzen.

               "Das Entscheidende in der Sexualität ist die Präsenz im Moment, im Spüren."

Im Wechsel verändert sich das Sexualleben einer Frau oftmals. Sexuelle Bedürfnisse ändern sich, der Körper verändert sich. Häufig kann das auch zu Konflikten in der Partnerschaft führen.
Es kann ebenso sein, dass das Sexualleben in einer langen Beziehung etwas zu eingespielt ist und daher Konflikte auftreten.

Was würden Sie empfehlen, wie können Frauen am besten mit diesem Wandel umgehen?

Ja, durch den Wechsel verändert sich hormonell viel im Körper und das hat seine Auswirkungen.
Bei Wechselbeschwerden kann ich die Anregung der Eierstöcke, Schilddrüse und Hypophyse durch den Atem und Energielenkung sehr empfehlen. 

Das unterrichte ich mit Hormon Tantra. Hormon Yoga von Dinah Rodrigues ist ebenso sehr effektiv bei der Reduktion von Wechselbeschwerden. 
Was Trockenheit der Vagina und empfindlicher, dünner werdende vaginale Schleimhaut betrifft, empfehle ich unbedingt sexuell aktiv zu bleiben und sehr achtsam und liebevoll sexuelle Vereinigung leben! Durch achtsame und liebvolle sexuelle Berührung bleibt das Gewebe besser intakt. Ebenso empfehle ich die reine biologische Aloe Vera (ohne Konservierungsmittel und Zusatzstoffe) als Gleitgel. Die Pflege der Haut und Schleimhaut damit ist in jedem Fall gut. Ich filetiere dazu das durchsichtige Blattinnere und püriere es. Das ist besonders gut für die Haut. Es darf allerdings nichts Grünes von der Pflanze dabei sein! Das Gleitgel zu erwärmen macht es auch noch angenehmer. 
Es gibt auch hormonhaltige Cremen, die die vaginale Schleimhaut aufbauen.

Um in langen Beziehungen die Lust auf einander aufrecht zu erhalten, empfehle ich Sex nicht zur Routine werden zu lassen, sondern ihn als Kommunikationsform, Form des innigen und tiefen Austausches zu verstehen, in dem ständig Neues erfahren werden kann, der lebendig ist. Tantrische Rituale können helfen, die Besonderheit des Moments in der sexuellen Begegnung zu spüren, das wahre Wesen des/der PartnerIn zu sehen, seinen/ihren Körper an jeder Körperstelle zu ehren, in tiefer Liebe und Wertschätzung zum anderen/zur anderen zu sein.

Die Gefahr, dass die sexuelle Lust in einer langjährigen Beziehung nachlässt, hat oft damit zu tun den/die anderen zwar zu lieben, aber nicht mehr als sexuell attraktiv wahrzunehmen. Die Schaffung von Situationen außerhalb des Alltäglichen, wie Rituale, Seminare, Ausgehen, Retreats, Urlaub kann helfen wieder zu entdecken, was schön, sexy, attraktiv, begehrenswert am Partner, an der Partnerin ist. 

Es ist wichtig, sich immer wieder bewusst zu machen und tatsächlich zu erfahren, wie wunderschön z.B. die Augen, die Stimme, ein Körperteil oder wie attraktiv der Geruch des Partners, der Partnerin ist.

Wie kommuniziert man die eigenen Wünsche oder Veränderungen am besten mit dem Partner/der Partnerin?

Für den Sex gilt immer, dass es wichtig ist, sofort mitzuteilen, wenn sich etwas nicht so gut anfühlt und die Situation so zu verändern, dass es sich wieder gut anfühlt, z.B. durch Entschleunigen, Pause, tiefer Atmen oder schlicht Wechsel zu einer anderen sexuelle Praktik. Warten, bis es vorüber ist, bzw. etwas geschehen lassen, dass unangenehm ist, sollte nie passieren!
Es ist immer günstig eine Alternative zu dem, was sich nicht gut anfühlt, sofort anzubieten bzw. den/die PartnerIn dazu einzuladen, vielleicht mehr körperlich als verbal.

Geht es um größere Veränderungen, die du dir wünschst, ist es am besten diese nicht direkt nach dem Sex, sondern am nächsten Tag anzusprechen und vorzuschlagen und den/die Partnerin zu fragen, was er/sie sich denn wünscht in der sexuellen Kommunikation. Sehr wichtig, finde ich, Klarheit darüber, was du im Sex erfahren möchtest und was dein/e PartnerIn im Sex erfahren möchte. Daraus ergibt sich, was die Gemeinsamkeiten in den Wünschen sind, und wo du vielleicht noch mit mehr Empathie dem begegnen kannst, was deinem/r PartnerIn wichtig ist und wo er/sie mehr Einfühlungsvermögen für deine Präferenzen entwickeln kann. Je mehr Gemeinsamkeiten da sind, um so leichter, spontaner und verspielter kann die sexuelle Begegnung wohl sein.


Wie können Frauen Tantra für sich nutzen/Was kann Tantra bewirken?

Sensibilisierung des Körpers ist durch Tantra und tantrische Berührung möglich, durch die Sensibilisierung kann dann mit weniger Stimulus mehr empfunden werden. Damit wird die sexuelle Kommunikation subtiler.
Wenn du Energie in deinem Körper lenken kannst, kannst du dich auch sehr gut mehr energetisch als physisch mit deinem/r PartnerIn austauschen. 
Ist sehr hohe Sensibilität da und energetische Wahrnehmung kann der Augenkontakt mit deinem/r PartnerIn reichen, um einen Orgasmus zu erleben.
Durch die Vertiefung des Atems entsteht mehr Energie im Vagusnerv (und damit mehr Regenerationsfähigkeit) und eine Intensivierung des Empfindens.


Gibt es vielleicht spezielle (Tantra-)Übungen, die man schon ohne Vorkenntnisse machen kann?

Die tantrische Wechselatmung mit dem/der PartnerIn: Du atmest ein, wenn der/die PartnerIn ausatmet; küssend Mund zu Mund. Auch möglich mit etwas Distanz zu einander, voreinander sitzend. Auch möglich als Atmung von Herz zu Herz.

Es bringt viel die entspannte Bauchatmung im Sex immer wieder bewusst einzubringen sowie Verlangsamung im Sex und Pausen zu machen. Eine wunderbare Position für sexuelle Vereinigung ist die YabYum-Position: Am Schoß des/der PartnerIn, der/die im Schneider- oder Lotussitz ist, sitzen. Diese Position ermöglicht viel Körperkontakt, viel Bewegungsfreiheit und eine gute Verbindung zur Erde und zum Universum. Auch kannst du in dieser Position besonders leicht mit allen deinen Energiezentren (Chakren) in Verbindung mit dem /der PartnerIn gehen.

Zu Sabine Sonnenschein:

Sabine Sonnenschein ist

klinische Sexologin (sexualtherapeutische Methode Sexocorporel)
Tantra-Lehrerin (seit 2010)
Tanzpädagogin (seit 1992)
Sie lebt und unterrichtet eine Verbindung von kaschmirischer tantrischer Weltsicht und Tanz als Lebenshaltung. Sie unterstützt Menschen dabei, sich selbst bewusst wahrzunehmen, zu spüren und ein gesundes, beglückendes (Sexual)leben führen zu können.  

Für Frauen bietet sie neben sexualtherapeutischer Arbeit Schoßraumdialog, tantrische Körperarbeit und Tantra-Unterricht für Frauen an. Für Paare neben sexualtherapeutischer Arbeit auch tantrische Rituale und Tantra-Unterricht.

https://www.tantrischekoerperarbeit.at/

Youtube-Kanal  

 

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