"Es ist gut, eine mündige Patientin zu sein!"

"Es ist gut, eine mündige Patientin zu sein!"

 

Viele Frauen, die vor dem Wechsel stehen, oder schon Beschwerden haben, sind unsicher an wen sie sich mit ihren Fragen wenden können. Der Gynäkologe oder die Gynäkologin ist eine Möglichkeit, am besten ist jedoch immer ein Gespräch von Frau zu Frau - idealerweise mit Erfahrung zum Thema Wechseljahre.

Hier hat sich seit einiger Zeit ein neues Berufsbild etabliert, nämlich die Wechselberaterin

Ziel der Beratung ist es, Frauen bei Fragen zu Gesundheit und Lebensstil, bzw. zu Veränderungen im Wechsel zu unterstützen. Dieser neue Ansatz kommt ursprünglich aus den Niederlanden, wo diese Form der Beratung eine ganz normale Leistung der Krankenkassen ist.

Im folgenden Interview erzählt eine der ersten ausgebildeten WechselberaterInnen Österreichs, mit Praxis in Wien, von ihrer Tätigkeit.

Dieses Interview ist in einem Artikel zum Themenschwerpunkt "Wechseljahre" in der "Welt der Frau" erschienen. Das Originalinterview findet Ihr im Magazin "Welt der Frau" zum Themenschwerpunkt Wechseljahre und unter diesem Link: www.welt-der-frau.at/themen/themenschwerpunkt/wechsel%C2%ADjahre-meine-guete-ist-mir-heiss/

Karin  Grössing (55) ist Wechseljahreberaterin mit Praxis in Wien. Grössing kommt aus der Krankenpflege und hat 2010 den ersten österreichischen Lehrgang zur Wechseljahreberaterin in Salzburg absolviert. Dieses Berufsbild kommt aus den Niederlanden. Dort ist diese Form der Beratung eine Leistung, die die Krankenkassen zahlen.

 

Wechseljahreberaterin Karin Grössing ermutigt Frauen, beim Arztbesuch genau nachzufragen und den Wechsel auch als Chance zu sehen, sich selbst endlich kennenzulernen.

 

Gibt es einen klassischen Trugschluss zum Thema "Wechseljahre", den wir hier gleich aufklären können?

Karin Grössing: Ja, den gibt es: Man kann die Wechseljahre nicht einfach auf hormonelle Umstellungen reduzieren, sie haben schlicht und einfach auch mit dem normal fortschreitenden Alter zu tun. Dieses Wissen, dass wir uns altersgemäß auf jeden Fall verändern, ist wichtig.

 

Sind Sie in Ihren Beratungen mit den "klassischen" Symptomen wie Wallungen und Schlafmangel konfrontiert?

Ja, so kann man das sagen. Viele Frauen erzählen aber auch davon, dass sich darüber  hinaus  so  vieles verändert, mit dem sie nicht klarkommen. Eine Frau sagte kürzlich zu mir: ,,Ich habe das Gefühl, ich kann mich auf mich selbst nicht mehr verlassen."

 

Muss man sich im Wechsel von Perfektion und Schönheit verabschieden?

Ein wichtiger Faktor beim Umgang mit dem Wechsel ist meiner Meinung nach tatsächlich das Thema „Schönheit" und die damit verbundenen Klischees. Ich ermutige Frauen, sich an ihrer Schönheit ganz bewusst zu erfreuen, und zwar endlich einmal abseits der Klischees aus Werbung und Leistungsgesellschaft. Die rein rationale Auseinandersetzung mit den Wechseljahren sehe ich kritisch. Wenn sich eine Frau auch  emotional einlässt, dann lernt sie sich selbst wirklich kennen und spürt auch eher, was ihr gut tut.

 

Die ultimative Frage scheint immer zu sein: Schulmedizin oder alternative Methoden, was hilft mehr? Was antworten Sie darauf?

Eines gleich vorweg: Frauen haben oft ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich für eine Hormontherapie entscheiden. Das sollte so nicht sein, denn jede Frau muss vorbehaltlos das Recht haben, ihren individuellen Weg zu gehen. Ich verurteile die  Hormontherapie also nicht. Für manche Frauen kann das ein guter Weg sein. Von Pflanzen hergeleitete Hormone sind ebenfalls eine Möglichkeit mit nachweislich guten Erfolgen. Man sollte von seinem Arzt oder seiner Ärztin jedenfalls erwarten können, dass man über alle Möglichkeiten informiert wird.

 

Ihr Tipp für den Besuch bei der Gynäkologin?

Es ist gut, eine mündige Patientin zu sein, die Fragen stellt. Ich empfehle, sich vor dem Arztbesuch eine Checkliste anzulegen, damit man keine relevante Fragen vergisst. Klären Sie, ob ein genereller medizinischer Check ratsam wäre. Wenn Sie etwas verordnet bekommen, fragen Sie genau nach: Was ist das, wie wirkt es, was sind die Nebenwirkungen, wie lange muss ich das anwenden, was wäre die Alternative? Und im Übrigen empfehle ich ganz dringend Frauenrunden! Der Austausch, die Erfahrungen der anderen, die Gemeinschaft, das hilft und bestärkt.

 

Wissen Männer Bescheid über die Beschwerden ihrer Frauen in den Wechseljahren?

Meistens nicht oder viel zu wenig! Da­bei ist die Zeit des Wechsels für Paare auch eine große Chance: Wo stehen wir denn als Paar, wie gehen wir mit unseren „Beschwerden " um? Männer haben ja genauso mit hormonellen Umstellungen zu kämpfen. Auch bei ihnen verändert sich rund um die Lebensmitte vieles. Bei den Männern geht es vorrangig um Leistungsfähigkeit - im Beruf, im Sport, beim Sex. Wichtig ist für Frau und Mann, das Thema anzusprechen, offen zu sein.

 

Hier geht es zu weiteren interessanten Blogbeiträgen zum Thema Wechseljahre:

Besser schlafen in den Wechseljahre
33 und schon im Wechsel - Klimawechselbotschafterin Nadja berichtet 

 

 

Artikel teilen
botMessage_toctoc_comments_902