Natürlich wild. Dr.Schreibers im Gespräch mit der Wilden Urnatur

Natürlich wild. Dr.Schreibers im Gespräch mit der Wilden Urnatur

Hinter der Wilden Urnatur verbirgt sich Marissa Cosma Vitelli, die uns bei unserem Treffen schnell mit ihrer Aura, ihrem Charme und ihrem Wissen verzaubert hat. Seit der Geburt ihres ersten Kindes, verfolgt sie ihre Mission, die Selbstbestimmung, Freiheit und Gesundheit von Frauen zu stärken. Ihre Reise begonnen hat Marissa als Geburtsbegleiterin (Doula). Über die Jahre hat sie ihr Wissen in Sachen Frauenheilkunde und Heilkräuten erweitert und bietet heute Workshops und Retreats für Frauen jeden Alters an.

Wir haben uns mit ihr auf einen Kaffee und ein inspirierendes Gespräch getroffen.

Liebe Marissa, vielen Dank für deine Zeit! Zu Beginn stellen wir immer die Frage - was bedeutet Weiblichkeit und die Weiblichkeit zu leben für dich?

Weiblichkeit bedeutet für mich Kraft, vollkommen fern von dem Geschlechterbegriff "Mann - Frau". Das ist mir das Wichtigste. Also eine Frau ist nicht zwangsweise weiblich  und ein Mann männlich, sondern alle Individuen haben diese beiden Kräfte. Aktuell leben wir in einer sehr westlich, spätkapitalistisch männlich orientierten Gesellschaft. Weiblihckeit kommt dadurch bei allen zu kurz. Sie hat nicht viel Platz, aufgrund des Patriarchats, das diese weibliche Kraft unterdrückt und früher noch viel stärker unterdrückt hat.

Weiblichkeit leben bedeutet für mich eher ins Empfangen zu gehen, in die Hingabe, sich erlauben, mal die Kontrolle abzugeben. Es bedeutet für mich, dem Verstand nicht so stark Gewicht zu geben, sondern mehr die intuitive Seite in sich sprechen zu lassen, alles geschehen zu lassen. Zyklisch zu leben vor allem.

Was bedeutet das, zyklisch zu leben?

Zyklisch zu leben bedeutet grundsätzlich, im Einklang mit den natürlichen Rhythmen zu leben, also zum Beispiel hier mit den Jahreszeiten, dem Tag-Nacht-Rhythmus, der Atmung. Das heißt, einfach ein ausgewogenes Verhältnis von Geben und Nehmen zu leben. Und durch die weibliche Körperlichkeit zu leben, die einen ganz speziellen hormonellen Zyklus hat, dem Mondrhythmus sehr ähnelt, eben ungefähr alle 28 Tage. Das bedeutet nicht, dass jede Frau einen 28-Tage-Rhythmus hat. Das haben nur etwa 20 Prozent. Es bedeutet aber, dass wir zyklisch durch unsere Hormonphasen leben. In der Östrogenphase sind wir nach außen präsent, dehnen uns aus und ziehen uns dann in der Progesteronphase wieder zurück. In dieser Zeit fangen wir meistens an, unser Umfeld noch einmal anders, meist kritischer zu reflektieren. Das liegt daran, dass das Progesteron unser Schwangerschaftshormon ist. Wenn man wirklich schwanger ist, schaut man eben auch nochmal genauer auf bestimmte Dinge. Den Partner, die Partnerin, den Job, das Umfeld, usw. Es ist also eine sehr kraftvolle Phase, aber wir haben noch nicht ganz gelernt, damit umzugehen. Deshalb haben sehr viele Frauen damit zu kämpfen. Das ist übrigens auch die Zeit (Anm. Red.: die Zeit im Zyklus), in der die Rate an Rezeptverschreibungen für Antidepressiva am höchsten ist. Wenn wir lernen, im Einklang mit unseren Zyklusphasen zu leben, leben wir auch zyklisch im Einklang mit unseren Kräften.

Die meisten wissen wahrscheinlich nicht einmal davon, dass es diese zyklischen Schwankungen so gibt, beziehungsweise, was da im Körper genau abläuft.

Ja, genau. Wie es einem in den spezifischen Phasen aber geht, ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Bei meinen Zyklus-Workshops zum Beispiel, vermittle ich daher dann meistens eine Idee davon - in dieser Phase geht es dir so, da hast du diese oder jene Vorzüge, diese Qualitäten oder diese Gefühle können in dir aufkommen, die vielleicht herausfordernd sind. Hier finden wir dann ein ganz individuelles Zyklusmuster heraus.

Die eine erlebt vielleicht einen Peak, eine Hochzeit rund um den Eisprung, alles ist juicy und heiß und sie ist darüber total glücklich, weil sie das auch ausleben kann. Die andere Frau empfindet das vielleicht genauso, ist aber deprimiert, weil sie einen eher ruhigen Partner hat, der diese Seite nicht mit ihr teilt. Es kommt total auf den Kontext an, wo man steht. Das herauszufinden und zu leben, ist für mich der Inbegriff von weiblicher Kraft.

Das hat bestimmt auch etwas mit der vergessenen Weiblichkeit zu tun, von der du auf deiner Website sprichst?

Ja, früher waren wir noch viel naturfühliger, viel weniger in diesem künstlichen Stress Modus. Heute ist alles an konstantes Wachstum gebunden. Dieses immer schneller, immer weiter, funktioniert eigentlich nicht. Dadurch haben wir vieles verlernt. Wir leben außerdem heute nicht mehr so religiös. Die Kirche hat, zum Glück, nicht mehr einen so hohen Stellenwert. Dadurch entsteht gleichzeitig aber auch ein großes Loch.

Die Übergänge in bestimmte Lebensphasen werden heute nicht mehr so zelebriert wie früher oder beispielsweise in eher indigenen Kulturen. In Ghana zum Beispiel gibt es Unyago, das ist ein Initiationsritus. Wenn Frauen dort anfangen zu bluten, verlassen sie zum ersten Mal ihren familiären Background und gehen zu den weisen alten Kräuterfrauen. Die leben immer etwas abseits vom Tribe. Dort wohnen die jungen Frauen neun Monate und werden unterwiesen in weibliche Sexualität, Körperlichkeit und wie man mit dem Blut umgeht. Danach werden sie wieder im Tribe willkommen geheißen, es gibt ein großes Fest und sie werden als Frauen gefeiert.
Ich möchte das hier aber auch nicht romantisieren. Meistens geht dort damit auch sofort die Verheiratung einher. Trotzdem ist so ein Ritual total schön, wenn man in diese fruchtbare Phase übergeht. Aus meiner Erfahrung heraus, wollen die meisten Mädchen auch nicht mit ihrer Mama über diese Themen sprechen, aber vielleicht eher mit den "weisen Tanten" oder ähnlichen Figuren in ihrem Leben.
Das ist für mich verlorenes weibliches Wissen, dass man die Chance hat, irgendwo anzudocken. In Fragen zur Sexualität, der Blutung, wie man damit umgeht. Initiationsriten sollten trotzdem zelebriert werden dürfen, unabhängig von der Religiosität.

 

Die Wechseljahre sind ja auch solch ein Übergang in eine neue Lebensphase. Was würdest du Frauen hier empfehlen?

Erst mal ist es ganz wichtig, sich zu fragen: Was ist meine Einstellung zum Thema Älterwerden. In welcher Kultur wurde ich sozialisiert, was bedeutet hier Älterwerden. Was ist das Bild einer älteren Frau in dieser Kultur. In Indonesien zum Beispiel, wo ich meine zweite Schwangerschaft verbracht habe, hat die ältere Frau einen extrem hohen Wert. Sie nimmt auch ein bisschen die Rolle des Clowns ein. Sie darf plötzlich Sachen sagen, die man sonst vielleicht nicht sagen würde. Denn sie hat ja quasi nichts mehr zu verlieren. Es ist interessanterweise auch so, dass so wie sie aus ihrem fruchtbaren Alter austreten, rauchen dürfen. Man sieht dort immer die älteren Frauen an ihren Zigarren paffen. So haben sie sich irgendwie etwas zurück erobert. Sie erlauben sich, sich einzumischen, Dinge auszusprechen. Das ist deshalb auch so, weil die älteren Frauen in Indonesien eine sehr wichtige Rolle im Familienzusammenhalt spielen. Im asiatischen Raum gibt es außerdem gar kein richtiges Wort für Wechseljahresbeschwerden.

Unsere westlich kapitalistische Gesellschaft sieht das Älterwerden hingegen als etwas sehr negatives, fast schon pathologisches. Da ist es wichtig, sich erst einmal von dem äußeren Begriff des Älterwerdens zu emanzipieren.
Deshalb würde ich auch nicht per se einer Frau etwas spezifisches empfehlen. Ich würde ihr eher grundsätzlich raten, anzunehmen, dass man in eine ganz neue Phase eintritt, die fruchtbare Phase zurücklässt und damit noch einmal ganz stark zu sich zurückkommt. Wie in der Pubertät sind das Phasen des Umschwungs, wo viel passiert. Da ist es, meiner Meinung nach, das wichtigste, es anzunehmen und sich selbst zu fragen - wo will ich mit mir hin, was ist mein Ziel. Nicht die Angst vor dem Älterwerden zu bestärken und dem [Alter] entgegenwirken. Man kann heute so viel manipulieren, sich liften lassen, etc. aber wozu eigentlich. Wovor hat man da Angst?

Du sprichst auf deiner Website auch davon, die Zeichen des Körpers richtig zu deuten. Viele Frauen leiden sehr unter körperlichen Beschwerden in den Wechseljahren. Wie soll man damit umgehen?

Eine meiner Dozentinnen, Dr.Heide Fischer, die aus eigener Erfahrung sprechen kann, hat damals gesagt, dass in dieser Zeit natürlich ganz viele Kräfte wirken. Sie glaubt, dass das eine verdrängte oder unterdrückte Kundalini-Energie ist, die jetzt auf eine sehr reißerische Art auf sich aufmerksam macht. Das heißt, wenn wir im Leben beispielsweise immer die brave Frau gespielt haben, haben wir vielleicht auch Emotionen unterdrückt. Gerade auch Wut ist eine extrem tabuisierte Emotion. Man denke an das Bild der "hysterischen Frau".
Interessanterweise kommt dann oft durch die Hitzewallungen ein Schub an unterdrückten Gefühlen an die Oberfläche. Die zeigen einfach, was du die ganze Zeit ertragen hast, was du vielleicht gar nicht ertragen wolltest. Natürlich ist es jetzt schwierig, einfach zu sagen, nimm' deine Psychosomatik an, du hast da was unterdrückt. Es betrifft aber nun mal nicht jede Frau, diese Hitzewallungen. Da einfach mal selbst zu sich ehrlich zu sein, was da eigentlich ist, ist schon ratsam.

Es sind trotzdem, durch den erhöhten Anstieg des follikelstimulierenden Hormons (FSH), auch sehr kreative Kräfte. Auch im Zyklus einer blutenden Frau. Wenn ich jetzt zum Beispiel über die letzten Jahre die Rolle der sehr aufopfernden Mutter gespielt habe, kommt jetzt eben eine neue Energie auf. Eine Energie, die auf Dinge hinweist, wie - eigentlich hast du schon immer Lust gehabt, ein Buch zu schreiben oder ein Bild zu malen. Dann nochmal sich selbst zu hinterfragen, was will da aufsteigen in mir.

Wie lebst du im Einklang mit der Natur und was verstehst du unter einem gesunden Frau-Sein?

Also ich habe schon mal einen Sommer und einen Winter lang in einer Jurte im Wald gelebt und dort meine Erfahrungen gesammelt. Da ist es natürlich nicht besonders schwer, ein gesundes, natürliches Frau-Sein zu leben. Man kann dort natürlich viel mehr diese Entschleunigung leben. Wenn du jetzt in der Stadt lebst und vielleicht auch einen Job hast, wo du von dir jeden Tag eine gewisse Performance erwartest, würde ich sagen, dass im Einklang mit der Natur leben bedeutet, dass du trotzdem deine natürlichen Rhythmen bewahrst. Dass du immer wieder in die Erholung gehst, nicht nur ins Außen, sondern dich wie der Mond auch mal zurückziehst, der scheint auch nicht jeden Tag voll.
Dass man sich da Zeit lässt, sich Sachen erlaubt, keine zu stark verarbeiteten Lebensmittel isst, nicht ständig unterwegs ist, sich Zeit nimmt, zu kochen, genug zu trinken. Also wirklich die Basics. Sich zu bewegen. Viele in der Stadt bewegen sich einfach kaum. Allein durch die Bewegung werden schon so viele Hormone abgebaut. Das Stresshormon Cortisol, zum Beispiel, braucht im sitzenden Modus ewig, um abgebaut zu werden. Wenn man sich bewegt, kann sich das einfach viel schneller abbauen.

Was für mich auch sehr wichtig ist, um natürlich Frau zu sein, ist sich selbst Rituale zu schaffen. Wir können uns jetzt nicht gleich fünf Tage, wenn wir menstruieren, aus allem rausnehmen, aber vielleicht haben wir einen. An dem Tag können wir versuchen, ihn nur mit uns zu verbringen und uns an einen Ort begeben, der uns nährt und nicht Energien zehrt. Das Ganze zu übersetzen, eben in unser modernes Leben, aber dabei die Essenz der alten Riten zu transferieren. Das ist, glaube ich, ganz wichtig.

Ist es nicht auch ein bisschen eine privilegierte Sichtweise, zu sagen, man sollte sich einfach einen Tag nehmen? Es gibt ja auch Frauen, die haben zwei Jobs, vielleicht noch einen Teenager daheim und sind in den Wechseljahren.

Ich mache mir darum auch viele Gedanken. Ich habe zum Beispiel keinen Job, für den ich aus dem Haus gehen muss. Ich sehne mich aber ehrlich gesagt danach. Ich habe keine Lust, aufzustehen und einen Raum weiter zu gehen, um im Büro zu sein. Andererseits ist Zeit das absolut größte Luxusgut unserer Zeit. Auch wirklich die Zeit Zeit sein zu lassen. Wir versuchen ja fast ununterbrochen, die Zeit zu füllen. Selbst wenn wir welche hätten, nehmen wir unser Handy in die Hand und lenken uns so ab. Ich glaube wir sind ziemlich fortgeschritten wahnsinnig geworden. Auch durch diese mediale Präsenz. Ich finde es verrückt, sich vorzustellen, dass es als ich ein kleines Mädchen war, noch keine Handys gab. Es ist alles noch eine sehr frische Erscheinung. Ich glaube wir dürfen auch noch lernen, einen gesunden Umgang damit zu pflegen. Ich fange langsam an, als selbstständige Frau, andere zu beneiden, die diesen ganz routinierten Arbeitsalltag haben. Denn ich muss mir den immer selbbst gestalten. Wenn ich mir zum Beispiel diesen einen Tag Menstruationsurlaub gebe, weil ich das kann, bin ich aber damit konfrontiert, mir zu überlegen, wer jetzt eigentlich die ganze Arbeit macht, die dann über bleibt. Für mich ist es schon sehr herausfordernd, als Selbstständige, wirklich loszulassen, ohne, dass dann das schlechte Gewissen da ist oder am nächsten Tag doppelt so viel Arbeit auf mich wartet. Im Vergleich dazu, ist es anders, wenn du zu deinem Arbeitgeber oder deiner Arbeitgeberin gehst und sagst, ich komme morgen nicht, weil ich Schmerzen habe. Man ist als Angestellte versichert, hat Urlaub.

Es gibt auch ein Unternehmen, wo es sogar Menstruationsurlaub gibt. Weil man dort einfach weiß, dass man an den anderen Tagen fitter ist, wenn man sich diesen Tag mal rausgenommen hat.

Du gibst verschiedene Frauen-Workshops. Warum ist es dir ein Anliegen, Frauen zu unterstützen?

Ganz einfach aus dem eigenen Mangel heraus. Ich fand es zum Beispiel in der Schule im Biologieunterricht ganz schlimm, etwas über den weiblichen Körper zu erfahren. Ich fand es total kompliziert, hatte keine guten Lehrer:innen. Für mich war außerdem die Menstruation immer etwas sehr überraschendes, für lange Zeit. Noch während meines Studiums bin ich dann auch sehr unerwartet schwanger geworden. Das war der Moment, an dem ich gemerkt habe, ich würde gerne wissen, wie ich damit umgehe. Allerdings wurde ich sehr schnell pathologisiert, habe mich beim Gynäkologen extrem unwohl gefühlt und gemerkt - da ist niemand in meinem Umfeld, der mir meine Fragen beantworten kann. Es war einfach kein Wissen da. Mir ist einfach aufgefallen, dass ich gar nicht alleine damit in. Dass niemand in meinem Umfeld richtig über den weiblichen Körper Bescheid wusste. Nach meiner Schwangerschaft wollte ich dann sehr schnell Frauen helfen, die auch schwanger sind. Daraufhin habe ich meine erste Ausbildung zur Doula, zur Geburtshelferin, gemacht. Ich wollte anderen Frauen einfach Beistand leisten, da ich den selbst ein bisschen vermisst hatte. Dann habe ich meine ersten Kurse gegeben, wie man sich mit Kräutern in der Schwangerschaft unterstützen kann, mehr in die Balance leben kann. Als ich eine Anfrage für ein Seminar bekommen habe, wurde mir eigentlich klar, dass ich gerne das Thema Frau-Sein mit Pflanzen kombinieren würde. Denn die weibliche Herangehensweise ist eben, ganzheitlich zu arbeiten, mit den Kräutern und mit dem Körper zusammen.
Die Gynäkologie ist dagegen eher aus der Chirurgie, einer sehr krassen Männerkunde entstanden. Da ging es immer nur ums Herausschneiden. Also die Gynäkologie ist eine Abzweigung aus der Chirurgie. Es ging zum Beispiel darum, die Klitoris herauszuschneiden, wenn die Frau zu viel masturbiert oder Hysterektomie, also Gebärmutterentfernung, wenn sie hysterisch ist. Deshalb heißt das ja auch überhaupt so. Da gibt es jetzt natürlich viele Gegenstimmen, die sagen, dass das nicht ganz so stimmt. Was aber auf jeden Fall stimmt ist, dass ganz viel immer herausgeschnitten wurde und daraus die Gynäkologie entstanden ist. Frauen wurde es zudem immer schon sehr schwer gemacht, überhaupt in einer heilerischen Fähigkeit zu interagieren. Die ganze Hexenverbrennung, du durftest niemandem helfen, wenn du nicht Latein konntest und studiert hast. Frauen blieb das verwehrt. Die hatten aber eigentlich sehr viel Wissen, vor allem eben das Erfahrungswissen.

Da habe ich gemerkt, da setze ich eben an. Was ziemlich mutig ist, denn hier in Österreich gibt es nur Ärzte und Ärztinnen, keine Heilpraktiker, etc. sondern nur Energetiker:innen. Unter diese Bezeichnung fällt einfach alles alternative. Dadurch gibt es hier in dem Bereich auch keine Qualitätssicherung. Da man dadurch auch nur sehr wenig anbieten darf, dachte ich mir - ich nutze diesen Mangel und mache daraus eine Gunst, trommel Frauen zusammen und teile einfach mein Wissen. Damit sie selbst, selbstbestimmt Entscheidungen treffen können. Weil wir reden immer so viel von Selbstbestimmung und Eigenermächtigung. Wenn aber das Wissen nicht da ist, können wir auch nicht eigenermächtigt handeln.

Abschließend noch die Frage - was bedeutet denn für dich selbstbestimmt und eigenermächtigt zu leben?

Das bedeutet für mich, die eigenen Bedürfnisse zu kennen und Mut zu haben, diese zu artikulieren. Auf jeden Fall, eine große Portion an Wissen und nicht gefährliches Halbwissen. Das heißt, wir haben eine Informationsflut, wo man ein bisschen separieren kann, was nehm ich davon an, was nicht, was hinterfrage ich kritisch. Und sich trauen, veraltete patriarchale Strukturen zu hinterfragen und einfach einen neuen Weg zu gehen, der weiblich ist. Sprich, dass man sich auch erlaubt, eben nicht jeden Tag in Hochleistung zu sein. Was auch nicht heißt, dass weiblich gleich mit Schwäche assoziiert ist. Sich zu erlauben, sich auch mal zurückzulehenen, ist für mich eigentlich eine große Stärke. Sich nicht die ganze Zeit zu beweisen, ich bin stark und ich mach das alles. Sondern das Flüstern von seinem Körper wahrzunehmen, dass er nicht irgendwann schreien muss.

 

Mehr zu Marissa und ihrer Arbeit erfahrt ihr hier: www.wildeurnatur.at
Wer selbst einmal an einem Retreat teilnehmen will, kann das schon im Juli machen. Zum Beispiel am 12. Juli zum Secret Garden Retreat in Italien oder am 21. Juli zum Womb Mistérios - Inipi in Haarbergdorf im Burgenland.