Was machen die Wechseljahre mit meiner Identität?

Was machen die Wechseljahre mit meiner Identität?

Elisabeth erlebt in den Wechseljahren unterschiedliche Veränderungen

Elisabeth ist eine Frau, die nicht nur ihren Wechsel zu managen hat, zwei Teenager und ein Ehemann sind auch mit von der Partie. Ihre Erfahrungen mit dieser Phase des Wandels geben Kraft, weiter nach vorne zu blicken - irgendwann ist dieser "Wahnsinn" ja zum Glück wieder vorbei. Sie durchgleitet diese Zeit und nimmt die Veränderungen an. Lies selbst, wie sie das macht und lass dich inspirieren.

Elisabeth, du bist gerade im Wechsel. Wie geht es dir damit?

Mittlerweile ist jetzt für mich ganz normal, dass ich im Wechsel bin. Es hat ungefähr ein Jahr gedauert, bis mir die Veränderungen bewusst geworden sind. Ich denke schon darüber nach, dass es der „letzte“ Abschnitt ist. Also die Entwicklung vom Kind zur Jugendlichen und gebärfähigen Frau und nun der Wechsel mit der hormonellen Umstellung. Die Wechseljahre haben für mich auch viele Vorteile. Der Druck, den idealen Körper zu haben, mildert sich. Ich vergleiche mich manchmal auf der Straße oder im Supermarkt mit anderen Frauen und stelle fest, dass sie eigentlich die gleichen figürlichen Probleme haben wie ich. Das beruhigt mich dann.

Wann hast du erste Veränderungen bemerkt und war dir gleich klar, dass es sich um Wechselsymptome handelt?

Vor drei Jahren hat sich mein Zyklus verändert. Statt den 28 Tagen waren es zum Beispiel 40 Tage, 60 Tage oder 15 Tage. Damals habe ich noch überhaupt nicht daran gedacht, dass es der Wechsel sein könnte. Erst nach ungefähr einem Jahr der Unregelmäßigkeit wurde mir klar, dass da irgendwas nicht stimmt. Auf einmal habe ich wieder Migräne, vor der ich in den letzten zehn Jahren meine Ruhe gehabt habe. Ich habe das mit der Ärztin meines Vertrauens besprochen. Sie meint, es könnte sich um den Wechsel handeln. Ungefähr ein Jahr nach dem Beginn des unregelmäßigen  Zyklus sind noch Hitzewallungen dazu gekommen. Mir wird ab und zu für ein paar Minuten ziemlich heiß. Plötzlich kommen aus der Mitte ganz starke Wallungen, die nach oben Richtung Kopf aufsteigen. Nach wenigen Minuten ist alles so schnell wieder vorbei, wie es angefangen hat.

Wie bist du damit umgegangen?

Ich bin eigentlich damit nicht wirklich umgegangen. Ich bin mit meiner Familie sehr beschäftigt, deswegen haben mich die Veränderungen nicht wirklich belastet. Die Umstellung geht bei mir auch ziemlich langsam.

Wie hat sich dein Körper durch den Wechsel verändert? 

Die Veränderungen meines Körpers habe ich bald bemerkt. Die gesamte Haut ist schlaffer geworden. Jetzt habe ich Pölsterchen an Stellen, die zuvor fest waren. Ich sage nur Hüften, Po, Oberarme und Schenkel. Mein Rücken sieht jetzt auch anders aus – ihn zieren jetzt zwei große Falten! Die Besenreiser verdoppelten sich. Meine Gesichtszüge werden männlicher, die Gesichtshaut großporiger, am Kinn wachsen vereinzelt Barthaare. Die Kopfhaare werden grau und das Haar ist insgesamt dünner und schütterer. Mir ist auch aufgefallen, dass ich viel weniger Schlaf brauche als früher. Nachts werde ich zweimal munter, das ist schon etwas lästig, wenn ich nicht durchschlafen kann. Meine Finger sind am Morgen nach dem Aufstehen steif.

Der Wechsel bringt sichtbare körperliche Veränderungen
Der Wechsel bringt sichtbare körperliche Veränderungen


Was ist besonders schwierig oder belastend für dich in dieser Zeit?

Mich belasten vor allem die Pölsterchen und die steifen Finger. Ich esse eigentlich nicht viel mehr als früher. Ich muss mich erst wieder ganz neu entdecken, zum Beispiel beim Hose kaufen. Plötzlich passen mir die gewohnten Modelle nicht mehr. Mein erster Gedanke war: „Gehöre ich jetzt zu den Alten“? Mir passen auch manche Farben und Düfte nicht mehr. Manchmal komme ich mir wie ein anderer Mensch vor. Wer bin ich denn jetzt? Mein Aussehen, mein Körpergeruch meine Figur haben sich total verändert.

Wie hat deine Familie auf den Wechsel und die Symptome reagiert?

Für meine Familie sind die Stimmungsschwankungen schon sehr anstrengend. Plötzlich wird mir heiß und alles geht mir auf die Nerven. Ich kläre mein Umfeld darüber auf, was lost ist. Die Stimmungsschwankungen beziehen sich zum Glück auf Alltagskram und gehen nicht so tief.

Hast du dir Hilfe geholt und wenn ja, wie?

Mir hilft meine eigene Einstellung zu meinem Körper. Ich denke mir, so wie ich mich sehe, sehen mich auch die anderen. In der Apotheke habe ich mich über verschiedene Cremes informiert. Mein Frauenarzt hat auch ein offenes Ohr für meine neue Situation, er hat mir erklärt, wie der Wechsel verläuft und mich beruhigt. 

Mit wem tauschst du dich aus, wenn die Wechselsymptome anstrengend sind?

Am liebsten mit meiner Mutter. Durch ihr ruhiges Zuhören hilft sie mir wirklich sehr.

An den Erfahrungen der Wechseljahre wachsen
An den Erfahrungen der Wechseljahre wachsen


Wie wirkt sich der Wechsel auf dein Umfeld aus?

Manchmal habe ich Stimmungsschwankungen und bin ungeduldig.  

Empfindest du dich jetzt anders als vor dem Wechsel, fühlst du dich als Frau anders oder neu?

Ich bemerke die Veränderungen, dass mir zum Beispiel meine Hosen nicht mehr passen, aber damit kann ich leben. Neu ist für mich, dass die Blutung wegfällt. Baby kommt auch keines mehr. Die Angst vor einer Schwangerschaft ist vorbei. Das ist auch eine große Veränderung.

Was ist dein Tipp für erträgliche Wechseljahre?

Du bist nicht alleine! Schau dich um, orientiere dich neu in der Kleidung. Geh zum Friseur. Kauf dir einen neuen Duft. Kläre deine Familie auf. Keine Panik, die Veränderungen kommen langsam. Du hast genügend Zeit, um in die neue Phase zu gleiten. Entspannungstechniken helfen mir beispielsweise, wenn ich sehr angespannt bin. Dann mache eine Achtsamkeitsmeditation und konzentriere mich auf meinen Atem, das hilft mir beim Entspannen.

Jetzt wird mir plötzlich heiß und ich beginne zu schwitzen. Da trinke ich gleich ein kühles Glas Wasser. Das ist auch ein guter Tipp und der ist von meiner Mama, die den Wechsel schon hinter sich hat. Sie hört mir zu, sie baut mich auf und erinnert mich daran, dass der Wechsel auch wieder vorbeigeht.

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Jede Frau kommt in den Wechsel, aber jede Frau macht ihre ganz eigenen Erfahrungen und erlebt ihre eigene, einzigartige Geschichte. Lies noch mehr Interviews mit Frauen, die über ihre Erfahrungen mit den Wechseljahren berichten.

 

 

Bildquelle: E. Schörkhuber

 

 

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