Shinrin Yoku - Waldbaden für Körper und Geist

Shinrin Yoku - Waldbaden für Körper und Geist

Im Sommer genießen wir die schönen und warmen Tage und die lauen Abende. Diese Zeit eignet sich besonders gut für Shinrin Yoku - ein Bad im Wald. Wenn Hitzewallungen und Schweißausbrüche überhand nehmen, ist ein Ausflug in den Wald genau das Richtige. Dort ist es meistens kühler als in der Stadt, die Luft ist wesentlich besser und der Alltagslärm verschwindet. 

Das tut besonders bei Wechselbeschwerden gut: Tempo raus nehmen, den Standort wechseln und qualitative Zeit für sich selbst haben. Das funktioniert über bewusstes Wahrnehmen der Natur, dem Zuhören der inneren Stimme oder ganz einfach nur durch abschalten und den Kopf frei machen. Für diese wunderschöne Aktivität gibt es eine interessante Bezeichnung: Waldbaden oder auf japanisch: Shinrin Yoku.

Dabei handelt es sich um eine Entspannungsmethode, die auch gegen Wechselsymptome helfen kann. Wir erfühlen und erleben die Natur, indem der wir uns eine Auszeit gönnen und den oft anstrengenden Alltag hinter uns lassen. Im Wald kommt unser Geist zur Ruhe. Für einen Augenblick vergessen wir alles und tauchen in die Natur ein und bleiben trotzdem im Hier und Jetzt.

Bewusstes Sein im Wald, eintauchen in die Achtsamkeit

In Japan gilt Shinrin Yoku seit 1982 als heilsame Methode zur Gesundheitsvorsorge und -erhaltung, ist medizinisch etabliert und gehört zum Standard. Waldbaden wird dort offiziell als eine Entspannungsmethode zur Stressbewältigung angesehen. Seit 2012 besteht an japanischen medizinischen Universitäten der Forschungszweig „Forest Medicine“. Als bedeutendster Forscher auf dem Gebiet und Pionier gilt Prof. Dr. Qing Li der Nippon Medical School in Tokio. Durch eine Analyse der Gesundheitsdaten der japanischen Gesamtbevölkerung weist er nach, dass in unbewaldeten Gebieten deutlich mehr Menschen an einer Krebserkrankung sterben als in in waldreichen Zonen. Bereits ein fünfzehnminütiger Aufenthalt auf einer Terrasse mit waldähnlicher Bepflanzung kann die Herzfrequenz senken. 

Im Wald aktivieren wir vier unserer fünf Sinne - Sehen, Riechen, Tasten und Hören. Was nehmen wir wahr? Die Tannennadeln oder Blätter am Boden, der Geruch des Waldes, der Gesang der Vögel und das entfernte Plätschern eines Baches wirken sich umgehend aus und beruhigen uns. Alles, was ist, wird ohne Bewertung einfach nur wahr- und angenommen. Man kann Shinrin Yoku daher auch als eine Meditation im Wald ansehen. 

Hinschauen, langsam gehen, bewusst Atmen - all das unterstützt den Körper beim Entspannen. Die Muskulatur lockert sich, wir schütten Glücksgefühle aus, bauen Stresshormone ab und erreichen dadurch noch mehr Entspannung. Außerdem beruhigt der Anblick des grünen des Waldes unseren Paraysmpathikus (Ruhenerv). Wir entspannen uns und gleichzeitig regenerieren sich durch den angeregten Parasympathikus unsere Organe und Zellen. Nur noch in den Bergen oder am Meer ist die Luft so gesund, wie im Wald. 

Zahlreiche Studien belegen, dass sich Waldbaden sowohl auf unsere körperliche als auch seelische Gesundheit äußerst positiv auswirkt.

Verantwortlich dafür sind von den Bäumen abgesonderte Terpene. Das menschliche Immunsystem reagiert auf Terpene mit einer signifikanten Steigerung der Abwehrkräfte. Baumterpene sind ganzjährig im Wald vorhanden, die höchste Konzentration findet man bei Regen und Nebel vor oder in den Sommermonaten.


Waldbaden gegen Wechselbeschwerden und für ein starkes Immunsystem
Waldbaden gegen Wechselbeschwerden und für ein starkes Immunsystem


Der Biophilia-Effekt

Verschiedene Forschungsergebnisse bestätigen, dass Terpene gegen Krebszellen wirken und vor Krebs schützende Prozesse im Körper ankurbeln, weil sie den Körper bei der Bildung des Anti-Krebs-Proteins Perforin unterstützen. Zusätzlich regt das Einatmen der Waldluft die Produktion der körpereigenen Herzschutzsubstanz DHEA an. 

Unser Körper ist fähig, Terpene auf natürliche Art zu entschlüsseln und positiv für sich zu nutzen - das wird unter Biophilia-Effekt verstanden. Der österreichische Biologe Clemens G. Arvay hat ein Buch darüber geschrieben. Er ist Vorreiter in Sachen Waldbaden, Biologe und Mitglied im österreichischen Forum Wissenschaft & Umwelt sowie Autor mehrerer Bestseller. Er studierte in Graz und Wien Angewandte Pflanzenwissenschaften und Biologie.

„Aufenthalte in der Natur bringen die Anzahl und Aktivität der Abwehrzellen wieder auf ein natürliches Niveau.“ (Clemens G. Arvay)

Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge senkt ein Waldspaziergang den Stresslevel sogar dann, wenn wir aus dem Grübeln nicht herauskommen. In einer Studie der Universitäten Stanford und Michigan absolvierten zwanzig Probanden mit Depression täglich zwei Spaziergänge zu je fünfzig Minuten. Eine der Gruppen absolvierte den Spaziergang in einem städtischen Umfeld, die andere Gruppe im Wald. Nach dem Spaziergang fühlte sich die Waldgruppe nicht nur besser, die Teilnehmer konnten sich auch besser konzentrieren.

Grund dafür ist die gute Luft im Wald, sie verbessert die Hirnleistung und senkt den Cortisol-Spiegel, das heißt, es wird weniger vom Stresshormon Cortisol ausgeschüttet. Auch die Traditionelle Chinesische Medizin sieht den Wald als optimalen Ort zur Stressvorbeugung und zum Stressabbau an. 

In der Lehre der Fünf Elemente werden Organe, Krankheiten, Tugenden, Emotionen und Charaktereigenschaften mit einem Element verbunden. In diesem Fall bezieht sich das Element Holz auf die Organe Leber und Galle sowie die gesamte Pflanzenwelt der Gräser, Blumen, Büsche und Bäume. Dem Holz-Element werden auch Themen und Gefühle zugeschrieben wie Mut zur Selbstverwirklichung, Mut zum Neuanfang, Kreativität, klare Sicht der Dinge oder Entwicklung. 

Stark und verwurzelt wie ein Baum

Der Baum wächst in alle Richtungen - nach unten in die Erde, nach oben in den Himmel und seine Äste breitet er weit aus, jedes einzelne Blatt atmet. Auch das Grün der Blätter steht für Kraft, Wachstum, Kreativität und das Entdecken von Neuem. Jede Pflanze kann ihre Wuchsrichtung ändern, sobald sie auf ein Hindernis trifft. Wir Menschen haben diese Fähigkeit ebenfalls, wir können uns verändern und in verschiedene Richtungen wachsen.

Die Energie des Waldes kann uns dabei unterstützen, Entscheidungen zu überdenken und uns veränderten Bedingungen anzupassen. Wir bleiben flexibel und finden die für uns beste Richtung für Veränderung, Entwicklung und Wachstum. Schau dir deine Außen- und Innenwelt gut an, male dir dein Bild von deinen Wünschen und Visionen. Trau dich, zu träumen und zu planen. 

Was die Pflanzenwelt noch so interessant macht, ist das friedliche Zusammenleben. Pflanzen leben zum Großteil in harmonischer Ko-Existenz und ergänzen einander. Lernen wir von ihnen, gelassen und freudvoll mit anderen umzugehen und zusammen zu arbeiten, sie auf ihrem Weg zu unterstützen.


Mehr Wohlbefinden und weniger Wechselbeschwerden durch einen Waldspaziergang
Mehr Wohlbefinden und weniger Wechselbeschwerden durch einen Waldspaziergang


Waldbaden ist nicht nur in Japan beliebt und anerkannt

Neuseeland setzt auf „grüne Verschreibungen“ - depressive oder erschöpfte Menschen dürfen auf Kosten der Krankenversicherung in den Wald oder in die Natur gehen und neue Kraft sammeln.

In Dänemark erforscht man im Rahmen eines Waldtherapiegartens, wie ein Wald aussehen soll, der den größtmöglichen gesundheitlichen Nutzen bietet. Der kanadische Umweltpsychologe Marc Berman, Co-Autor einer Studie, bestätigt, dass das Risiko für Herzkreislauferkrankungen sinkt, je mehr Bäume in einem Wohngebiet stehen. 

Etliche internationale Studien aus verschiedenen Bereichen weisen auf einen klaren Zusammenhang zwischen unserer Gesundheit und der Präsenz von Bäumen hin:

Finde heraus, was du noch alles für dein Wohlbefinden und deine Gesundheit machen kannst:

Hinweis:
Waldbaden wird als unterstützende Maßnahme oder gesundheitliche Vorsorge ausgeübt und ersetzt keine medizinisch notwendige Behandlung!

 

 

Bildquelle: www.pixabay.com

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