Wechseljahres-Expertise, im Gespräch mit Frauenärztin Dr. Angelika Graf

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Wechseljahres-Expertise, im Gespräch mit Frauenärztin Dr. Angelika Graf

Wenn der Körper im Wechsel verrückt spielt, wollen wir uns doch am liebsten auf Experten verlassen können. Doch wie läuft eine Sprechstunde bei einer Wechseljahresspezialistin ab und warum ist nicht jede Gynäkologin und jeder Gynäkologe gleich Spezialist:in auf dem Gebiet? Dr. Angelika Graf hat die Antworten.

Liebe Frau Dr. Graf,

zunächst einmal vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, mit uns zu sprechen. Wenn man nach 'Frauenärzten mit Schwerpunkt Wechseljahre' googlet, findet man nur eine kleine Auswahl an Praxen. Unter anderem Ihre. Sollten nicht eigentlich alle Frauenärzte/ärztinnen auf die Wechseljahre spezialisiert sein und warum haben Sie sich entschieden, sich hier zusätzlich zu spezialisieren?

Dr. Graf: Die Wissensexplosion der letzten Jahrzehnte hat in der gesamten Medizin und natürlich auch im Fachgebiet Frauenheilkunde und Geburtshilfe dazu geführt, dass das Gesamtfach von einzelnen Ärztinnen und Ärzten nur mehr schwer zu überblicken, geschweige denn zu beherrschen ist. Wenn man ein Teilgebiet eines Faches auf wirklich hohem Niveau betreiben und den Patientinnen anbieten will, ist eine gewisse Spezialisierung heute unumgänglich.

Ich habe schon vor 25 Jahren an einer Spezialklinik für Frauen mit sogenannten Wechselbeschwerden gearbeitet. Durch die laufende Betreuung betroffener Frauen und regelmäßiger Fortbildung im Rahmen von Kongressen, sowie Aufenthalte an Spezialzentren, konnte ich mir im Laufe der Zeit doch eine große Expertise auf diesem Gebiet aneignen.

Aktuell dominieren Trends wie 'bodypositivity' oder 'metoo' die Medien und alle Altersklassen. Nie war die Freiheit über meintliche Tabus öffentlich zu sprechen größer. Trotzdem sind die Wechseljahre noch immer stigmatisiert und ein typisches Tabuthema. Woran liegt das Ihrer Meinung nach und wie kann man diese Sicht ändern?

Dr. Graf: Weil die Wechseljahre oft mit dem ungeliebten 'Altwerden' assoziiert werden. Gleichzeitig fallen die Wechseljahre aber auch häufig mit anderen Veränderungen der Lebenssituationen von Frauen zusammen. In dieser Zeit verlassen für gewöhnlich die Kinder das Haus. Und der, bei manchen Frauen bis dahin oft noch nicht völlig abgeschlossene, Kinderwunsch, muss in dieser Lebensphase dann doch verabschiedet werden. Die Wechseljahre haben aber auch viele positive Seiten. So kann sich die Frau wieder mehr auf sich selbst, ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen, aber auch wieder mehr auf die Partnerschaft fokussieren.

Langjährige Erfahrung: Dr. Angelika Graf begann bereits vor 25 Jahren den Fokus auf die Wechseljahre zu legen. Heute hat sie ihre Praxis in Salzburg.

Ein Wunsch, der auch in Bezug auf die Behandlungssituation häufig geäußert wird, ist mehr Einfühlungsvermögen und Verständnis seitens der Ärzte/Ärztinnen. Warum glauben Sie, entsteht dieses Gefühl der Patientinnen? Haben Frauenärzte/ärztinnen hier noch eine Lücke zu schließen?

Dr. Graf: Aus meiner Sicht agiert die überwältigende Mehrzahl der Kolleginnen und Kollegen sehr einfühlsam und verständnisvoll. Einige wenige Schwarze Schafe können sich bei der, heutzutage gut aufgeklärten und mündingen, Patientinnenschaft im kompetitiven Feld nicht halten.

Wie schaut denn eine typische Beratung oder auch Behandlung bezüglich der Wechseljahre bei Ihnen aus?

Dr. Graf: Zuerst lasse ich mir gerne die Lebensumstände schildern, um mich gut in die Pantientin hineinversetzen zu können. Dann lasse ich mir die Beschwerden genau schildern, frage nach Auftreten, Art und Intensität. Schließlich frage ich die Patientin, worunter sie am meisten leidet und was sie unbedingt behandelt haben möchte. Danach nehme ich je nach Beschwerdesymptomatik, Blut für eine Laboruntersuchung ab und führe eine komplette gynäkologische Untersuchung durch. Bei leichteren und mittelschweren Beschwerden, empfehle ich üblicherweise zuerst pflanzliche Mittel, von denen uns ja erfreulicherweise sehr viele gut wirksame zur Verfügung stehen. Bei schwereren Beschwerden können Hormonpräparate nötig werden, wobei immer nur naturidente (bioidente) Substanzen in der niedrigst möglichen Dosierung zur Anwendung kommen. Sehr häufig können diese Substanzen als Gel oder Creme über die Haut verabreicht werden. Zur Evaluierung des Therapieerfolges vereinbare ich nach ca. 2-3 Monaten immer einen weiteren Termin, bei dem dann - falls nötig - die Therapie noch angepasst, bzw. feinjustiert werden kann.

"Die Wechseljahre sollten keine verlorenen Jahre sein."

 

Welche Symptome und Beschwerden können auftreten, mit denen Frauen vielleicht nicht rechnen?

Dr. Graf: Neben den typischen Hitzewallungen tritt oftmals eine Trockenheit der Schleimhäute auf- Nicht nur im Genitalbereich, sondern auch im Bereich der Nase und der Augen. Manchmal kommt es zu Problemen mit dem Zahnfleisch, häufig auch kombiniert mit Zahnfleischbluten. Auch Gelenkbeschwerden, Bluthochdruck oder Schlafstörungen können durch den Hormonmangel verursacht werden. Oft kommt es auch zu Stimmungsproblemen, die nicht sofort mit den Wechseljahren in Zusammenhang gebracht werden. Und immer wieder beklagen Frauen, dass sie nicht mehr ganz 'sie selbst' sind.

Haben Sie etwas, das Sie den Frauen gerne mitgeben möchten?

Dr. Graf: Ich möchte sie ermutigen, sich mit dem Thema Wechseljahre auseinanderzusetzen und sich einzubringen. Ich möchte Frauen ermutigen, ihre Wechselbeschwerden nicht als naturgegeben hinzunehmen und sie bei ihrer Frauenärztin, bzw. ihrem Frauenarzt anzusprechen. Die Wechseljahre sollten keine verlorenen Jahre sein.

 

Hier geht es zur Praxis von Dr. Angelika Graf: www.frauenaerztin-graf.at